Einer meiner Lehrer-Vorfahren ist Johann Müller (*12.10.1710 in Platenhof, Kreis Rotenburg (Wümme)). Von ihm ist ein Beschwerdebrief aus dem Jahre 1755 erhalten geblieben. Darin geht es darum, dass Johann Müller alle Kosten für die Schule selbst zu tragen hat, und selten bis nie Unterstützung vom Dorf erhält. Dies soll sich durch eine Änderung der Zahlungsart für die Schulkinder verbessern. Die Kinder sollen nicht mehr wöchentlich, sondern z.B. vierteljährlich ihr Schulgeld abgeben, um zu garantieren, dass Johann seine Einkünfte hat, auch wenn mal ein Kind eine Woche lang nicht zur Schule erscheint da es beispielsweise lieber auf dem Hof der Eltern helfen sollte. Das Anliegen von Johann Müller wurde in einem Antwortschreiben drei Monate später vom Königlichen Amt bestätigt und umgesetzt. Hier nun einmal ein Beispiel der ersten Seite des Briefes von ihm und anschließend der gesamte Text inklusive der Antwort. Entziffern konnten dies zum Glück Kollegen beim Forum von  Ahnenforschung.net. Der Text ist deshalb so stark linksbündig, weil immer nur jeweils eine Zeile genau wie im Originaltext “übersetzt” wurde.

Brief von Johann Muller.jpg

Hoch- und Hochwohlgeb.

Hoch und HochEhrwürdige
Gnädige und Hochgeneigte Herren

Eur. Excellence, und Hochwohl-
gebohren, Hoch- und Hoch-
Ehrwürden geruhen
Sich in aller Unterthä-
nigkeit vortragen
Zu laßen, waß ge-
stalt meine Vorfah-
ren zu Walle ein im
königl. Dohm zu Verden
ein gepfartes Dorff, ein
eignes Schul Wohnhauß
ex propriis [= aus eigenen Mitteln] erbauet.
Bänke und Tische an-
geschaffet, mithin
im Stande gesetzet
der Dorffschaff Kinder
sowohl als die außer
derselben jedoch Zur
Schule dieser Dorff-
schaff gehörigen Ein-
wohner Kinder, gehö-
rige Bequemlichkeit
verschaffet, und hat
die Gemeine seitdem
Zu deren Reparation
nicht allein nichts dazu
gegeben Sondern ich
muß so gar Nachbar
gleich dem Horn, Schwein
um Schaaff-Hirten
für das aus meinen
Hause Zu treibende
Vieh den Gebührenden
Lohn reichen, und
Kriege weder um Wey-
nachten noch Ostern
oder Zu einer andre
Zeit, gar kein Korn,
Brod Butter noch Eyer
muß noch dazu für
die Feurung so Zur
Schul-Stube erfordert
wird, für mein baares
Geld anschaffen, und
stehen.
Da hingegen nun ist
in der Waller Dorffschaft
hergebracht, daß die
Kinder So Zur Schule
gehen, wöchentlich
1 ß geben, wodurch
aber leider die Un
ordnung entstehet,
daß die Eltern um
das Geld zu erspahren
einige Tage in der
Woche die Kinder
Zur Schule schicken,
in den letten Tagen
weg bleiben, und
Sodann bleiben
Sie gantze Wochen und
Zeiten weg, also gar
daß ich für viele Kin-
der im gantzen
Jahre mehr nicht
den 9 oder 12 oder 16 ß
höchstens 20 ß kriege.
Wann aber dießs
gnädige und hochge-
neigte Herren. Der
unterm 10ten Febr.
1752 heraus gegebenen
königl. Schulverord-
nung deren Hertzog
thümer Bremen Verden

und Zwar nach de-
nen darin befind-
lich beyde §is [Paragraphen] Sub.
27. und 29. schnurstracks
entgegen läuft, da
nach dem 27 § exsores-
he befohlen daß künf-
tig hin an statt Woche
Geld quartaliter Solt-
be zahlet werden
und nach dem 29 § ge-
reichet mir dieses
Zur Last daß ich oh-
ne im geringsten
an Korn, Brod But-
ter, Eyer, Torf und
Feurung etwas
zu genießen, noch
dazu für mein
aus Zutreibendes
Vieh welches doch
nur auf Soorer und
dürrer Heyde gewei-
det wird, maßen
keine graßweyden
bey der Dorffschaft
befindlich die Vieh
Hirten lohnen.
Und dann mir die
Dorffschaft Walle frey-
gegeben, daß ich
wegen verände-
rung des Schulgeldes
an Ew. Excellence
und Hochwohlgeb.
Hoch – und HochEhrwr.
mich nur melden
solte, um was hoch
dieselben sodann
in Ansehung meiner
Zu resolviren geruhen
würden, Sie sich Zur
Norm und Richtschnur
dienen laßen wolten.
So flehe Ew. Excellence und
Hochwohlgeb. Hoch-und
HochEhrwürden ich hie-

durch in aller unter
thanigkeit an, Hoch die
selben geruhen gnädig
1.) an Statt des Wöchentli-
chen Schulgelde ein
gewisses quartaliter
zu bestimmen und 2.)
dahin gnädigst Zu sor-
gen geruhen, daß
ich für mein aus Zu
Treibendes

Horn , Schwein
und Schaf Vieh an den
Hirten Lohn zu geben
künftig nicht mehr ge-
bunden sey, Weil ich Feu-
rung und alle an meinen
Hause vorkommende
Reparationes halten
und bezahlen müße.
Der ich gnädiger Erhorung mich
getröste und verharre mit allen
Respect
Re. Excellence und Hochwohlgeb.
Hoch – und HochEhrwürden
Unterthanigst gehorsamster
Johann Müller
Schulhalter zu Walle

li.
Supp
d. 21ten Jan.
1755

Unterschrift Johann Muller 1755

(Die Originalunterschrift von Johann Müller von 1755)

Darauf das Antwortschreiben:

Königl. Groß Britannische
und Churfüstl. Brauschw. Lüneburg
Hrn. Oberhauptmann und Ambtmann
Unsere hochgebiethende Herren

Weil das hohe Königl. ambt uns
anzeigen laßen, daß wir wegen
unsern Schuhlmeister Johann
Müller seiner eingegebenen Klage
uns melden solten; da wir
nun sehen, daß er wohl ein Meh-
rers pratendirt, alß wie die Königl.
Schulverordnung in sich hält,
als solches gestalten wir ihm nicht
dieweil er 8 biß 9 Stück Horn Vieh,
Pferde und Schaafe hat, wenn selbi-
ger vor den übrigen Vieh uns nicht
mit behülflich sein solte, zu der
Contribution, er gewiß so viel Vieh
zu legen würde als das halbe Dorf
nicht hätte; danebst müßen wir
gleichfalß anzeigen, daß der Herr-
schaft anbefohlen werde, als Holtbüt-
teler, Kahlbrügger, Schülinger,
und Windorffer, daß sie fernerweit
ihre Kinder aus unsrer Schule laßen
mögen, dieweil es mit selbigen nur
eine Einschleichung ist, und unsern
Dorfkindern zur last gereichet, würden
etwan auch unser Schulmeister
dorten nicht zu frieden sein, so kann
er von seinem Hause, die so genandte
Käther Gerechtigkeit abtragen, und
wir dagegen sogleich nach ergangener
resolution ein Neues Schul Hauß
bauen wollen. Indeßen bitten
wir unsern Gesuch eine Genüge zu
leisten, dieweil wir nicht diejenigen
sein, welche dem Schulmeister was
absagen wollen, aber ein mehrers
als die Schul-Verordnung im Munden?
führet können wir doch auch nicht
über uns nehmen.
Walle den 15ten April 1755

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